Verfügbarkeitsfehler: Warum man den Medien nicht glauben darf

Verfügbarkeitsfehler: Warum man den Medien nicht glauben darf

Verfügbarkeitsfehler

Der Verfügbarkeitsfehler (englisch availability error), auch als Verfügbarkeitsheuristik bezeichnet, ist die Tendenz, die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen mit höherer “Verfügbarkeit” im Gedächtnis zu überschätzen. Wir suchen also in unserem Gedächtnis nach Informationen und umso mehr uns zu etwas einfällt (oder umso leichter uns etwas dazu einfällt) umso größer schätzen wir. Die Einflussfaktoren sind: Aktualität der Erinnerung, Ungewöhnlichkeit des Ereignisses und die emotionale Bindung zu dem Ereignis. Je aktueller, ungewöhnlicher und emotionaler die Informationen sind, desto leichter sind sie abrufbar.

Zwei Ursachen dafür, dass Informationen leicht verfügbar sind, sind einerseits eigene Erlebnisse und andererseits häufige Berichte in den Medien. Bei beiden Ursachen, spielen auch die eigenen Emotionen eine Rolle. Durch unsere Emotionen, die wir für eine Sache empfinden, kann diese leichter im Gehirn „gespeichert“ werden.

Die Themenwahl von Journalisten und unsere eigene Verfügbarkeitsheuristik verzerren unsere Schätzungen. Die Bedeutung von etwas wird danach beurteilt, wie leicht (oder schnell) etwas aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann und dies wird leicht durch die Menge an der Medienberichterstattung bestimmt. Häufig vorkommende Themen, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, währen andere meist wichtige Themen aus dem Bewusstsein verschwinden, weil nicht darüber geschrieben wird. Medien und Journalisten berichten darüber, was ihrer Meinung nach, die Öffentlichkeit gegenwärtig bewegt. Das Interesse der Öffentlichkeit ist am leichtesten durch dramatische und negative Ereignisse oder Stars und Sternchen geweckt. Mediale Übertreibungen sind weit verbreitet wohingegen über langweilige, aber wichtige Themen nur wenig geschrieben wird. Medien brauchen Leser, damit sie gegenüber den Werbetreibenden eine Rechtfertigung vorweisen können. Je mehr Leser ein Medium hat, desto mehr Einnahmen können generiert werden. Deshalb müssen Medien über das schreiben, was die meisten Menschen anzieht und das sind meist nicht wichtige Themen.

Wir benutzen die Verfügbarkeitsheuristik oft unbewusst, wenn die Wichtigkeit oder die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses geschätzt werden muss, wir uns aber nicht die Zeit nehmen oder uns die Motivation, der Wille oder die Möglichkeiten fehlen auf präzise (z.b. statistische) Daten zurückzugreifen. In solchen Fällen wird unser Urteil davon beeinflusst, wie schnell bzw. wie leicht wir uns an Ereignisse erinnern. Je leichter oder schneller wir uns an etwas erinnern, desto wahrscheinlicher beurteilen wir dieses Ereignis. Im Gegensatz dazu schätzen wir Ereignisse, an die wir uns nur schwer erinnern als unwahrscheinlicher.

Beispiele für Verfügbarkeitsfehler:

  • Menschen nehmen den Zug, weil im letzten Monat zwei Flugzeuge abgestürzt sind. Das ist ein Verfügbarkeitsfehler, denn an dem Risiko beim Fliegen hats sich nichts geändert.
  • Die Medien berichten kaum über Schadstoffe in der Luft, deshalb unterschätzen wir deren Risiken.
  • Wir überschätzen die Risiken eines Virus, weil die Medien andauernd darüber berichten.
  • In Projekten kann es zu Konflikten kommen, wenn jemand seinen Beitrag zum Projekt nicht genügend wertgeschätzt bekommt. Der Verfügbarkeitsfehler führt zu einer Überschätzung der eigenen Mitarbeit, weil man sich daran am leichtesten erinnern kann. Andererseits können wir uns an die Mitarbeit der Kollegen nicht so leicht erinnern und wir unterschätzen deren Anteil am Projekt.

Wie wirkt sich der Verfügbarkeitsfehler auf unser Trading/Investment aus?

Wir alle erinnern uns an den Bitcoin-Hype im Dezember 2017, bei dem wir fast die 20.000 USD erreicht hatten. Dieses Ereignis ist leicht in unseren Köpfen abrufbar, das bedeutet das wir die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs wieder 20.000 USD erreicht, tendenziell überschätzen. Im Gegensatz dazu erinnert sich kaum jemand mehr an den Bitcoin-Hype Ende November 2013, bei dem Bitcoin das erste Mal die 1000 USD Marke überschritten hatte.

Je nachdem ob manche Menschen zu den Zeitpunkten investiert und Gewinne oder Verluste gemacht haben werden sie sich je nach emotionaler Intensität, die sie erlebt haben (Frust, Ärger, Reue bei Verlusten oder Freude, Euphorie bei Gewinnen) werden sie sich besser oder schlechter daran erinnern. Dabei gilt, dass der emotionale Schmerz bei Verlusten viel höher liegt als bei Gewinnen (siehe demnächst einen Post zur Verlustaversion).

Der Verfügbarkeitsfehler verzerrt also unsere rationale Sicht auf gute und schlechte Investitionen. Wer beispielsweise eine schlechte Investition getätigt hat und Geld verloren hat, wird sich eher daran erinnern, weil der Verlust mit den negativen Emotionen „besser“ in unserem Gehirn haften bleibt als die positiven Emotionen bei Gewinnen. Der Verfügbarkeitsfehler sorgt deshalb dafür, dass wir uns eher an die Verlust-Investitionen erinnern als umgekehrt. Zusätzlich mit der später noch beschriebenen Verlustangst, kann dies sogar soweit führen, dass Menschen, aus Angst wieder Verluste zu machen, überhaupt nicht mehr investieren.

Achtung bei mehreren erfolgreichen Investitionen oder Trades in Folge! Der Verfügbarkeitsfehler sorgt dafür, dass du dich nicht so leicht an deine Misserfolge erinnerst und macht dich übertrieben optimistisch, was zu Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten führen kann.

Was können wir gegen den Verfügbarkeitsfehler machen?

Wir müssen uns den Verfügbarkeitsfehler bewusst machen und uns darüber klar sein, dass er auf uns wirkt. Wenn wir übertrieben optimistisch zu einer Sache stehen müssen wir uns überlegen, ob der Verfügbarkeitsfehler Schuld daran hat.

Wie wir im Laufe des Buches noch sehen werden, ergibt sich aus vielen Gründen die Notwendigkeit ein Investitions- bzw. Trading-Journal zu schreiben. Um den Verfügbarkeitsfehler zu minimieren nützt ein Blick in unser Journal, indem wir uns unsere vergangenen Investitionen und Trades ansehen und erneut ins Gedächtnis rufen.

Zusätzlich können wir im Journal einfache statistische Daten wie beispielsweise Anteil der Gewinner, Anteil der Verlierer, Gewinne, Verluste, Erwartungswert usw. berechnen. Damit können wir Entscheidungen auf faktenbasierten Daten treffen und dem Verfügbarkeitsfehler entgegenwirken.

Prinzipiell sollten wir immer nach statistischen Fakten suchen. Beispielsweise glauben viele Menschen, dass Bitcoin die 20.000 USD schnell wieder erreichen wird. Die statistischen Fakten sind derzeit folgende: In der gesamten 10-jährigen Lebensdauer von Bitcoin erreichte er nur einmal den Wert von knapp 20.000 USD. Der Verfügbarkeitsfehler sorgt also dafür, dass wir das Eintreten dieses Ereignisses überschätzen.

Ein weiterer Punkt ist, dass oft wiederkehrende Themen in den Medien bezüglich Bitcoins dessen Ergebnisse überschätzen lassen. Wir sollten deshalb Daten, Informationen und die Perspektive von anderen Ereignissen recherchieren, um weitere Ansichten einer Sachlage zu bekommen. Somit überlassen wir nicht die Medien darüber bestimmen was wir konsumieren, sondern werden selbst proaktiv und suchen andere Meinungen und Darstellungen einer Sachlage und verhindern somit den Verfügbarkeitsfehler.

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